Weine / Piemont / Poderi Colla / 

Poderi Colla

Es gibt ein Leben nach Prunotto – das sagten sich die Gebrüder Colla, die 1956 von Alfredo Prunotto das berühmte Barolo-Gut in Alba übernommen und geführt hatten. Aber nachdem Antinori 1989 den Vertrieb übernommen hatte, war klar, dass die toskanischen Mega-Winzer über kurz oder lang Appetit auf den ganzen Kuchen haben würden. Also machten sich Tino Colla, der jüngste der Brüder, zusammen mit seiner Nichte Federica daran, ein eigenes Gut aufzubauen – das ganz besonders fein werden sollte.

1993 gingen sie an den Start. Poderi Colla besteht aus drei kleinen Weingütern: Cascine Drago in Alba, wo auf 10 Hektar Dolcetto, Nebbiolo d’Alba, Pinot Nero und ein wenig Spumante erzeugt werden; Tenuta Roncaglia mit zehn Hektar erstklassigem Barbaresco und Barbera und schließlich in Monforte d’Alba die Tenuta „Dardi le Rose“ auf sieben Hektar, ein Teil des berühmten Barolo-Cru „Bussia“.

Mit insgesamt 27 Hektar ist der Betrieb keiner der Großen im Piemont, aber auch kein Winzling.

Beppe Colla, Federicas Vater, der älteste der Colla-Brüder, ist einer der anerkannt besten Barolo-Experten, aber er geht mittlerweile auf die Achtzig zu und wollte sich mit der Leitung eines Betriebs, gar eines neuen, der seine Marktposition erst noch erobern muss, nicht mehr belasten. Aber seine Kapitalanteile und sein Rat sind weiterhin gefragt.

In etwas mehr als einem Jahrzehnt ist Poderi Colla zu einem Kleinod des piemontesischen Weinbaus geworden. Verarbeitet werden nur eigene Trauben. Organische Düngung ist selbstverständlich, die Weinberge sind mit 5000 Stöcken pro Hektar dicht bepflanzt, sie sind begrünt, und die Erntemenge wird stark begrenzt. Mehr als 150 000 Flaschen verlassen den Keller nicht, was auf einen Hektarertrag von 41 Hektoliter hinausläuft – im Durchschnitt: beim Nebbiolo und Barbera, der im Barrique ausgebaut wird, sind die Erträge deutlich geringer.

Tino und Federica Colla haben nicht den Ehrgeiz, besonders schwere Weine zu erzeugen. Ziel ist vielmehr, dichte Weine großer Reinheit zu erzeugen. Die Spitzen-Rotweine sollen dunkel, elegant und raffiniert sein. In den ersten 13 Jahren des Bestehens dieser jungen Kellerei wurden diese Ziele in bemerkenswerter Weise erreicht. Die Zukunft der Poderi Colla und ihrer Weine läßt Großes erwarten.