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Meine Philosophie

Liebe Kunden,

sehr geehrte Interessenten,

wenn ich gefragt werde, was das Profil meines Unternehmens ausmacht, kann ich mich kurz fassen. Drei Worte reichen: Qualität, Individualität, Beratung.

Beratung ist das Wichtigste. Sie bedarf nicht nur eines seriösen Händlers und seinem Sachverstand, sondern auch dem Willen der Kunden, den gebotenen Service anzunehmen und den guten Rat anzunehmen. So wie guter Wein dem am besten schmeckt, der ihn nicht alleine genießen muss, so ist auch die Auswahl der Weine im Dialog zwischen Händler und Kunden am besten aufgehoben.

Ich gebe zu, dass ich nichts davon halte, Hitlisten von Weinkritikern für das Maß aller Dinge zu halten. Das gleich aus zwei Gründen: Zum einen sagt eine Punktzahl nichts darüber aus, wann und bei welcher Gelegenheit ein Wein am besten schmeckt; dass auch persönliche Vorlieben und Abneigungen einer solchen „Objektivierung“ entgegenstehen, davon will ich gar nicht reden.

Aber die Herrschaft der – meistens selbst ernannten – Experten führt auch zu einer Konzentration der Nachfrage auf eine geringe Zahl bekannter Namen. Das wird der Vielfalt in der Welt des Weines aber, zumal in Italien, beim besten Willen nicht gerecht. Wenn es denn so wäre, dass ein halbes Dutzend Weinkritiker zuverlässig die besten und interessantesten Weine herausfinden würden, könnten sich alle Kunden darauf beschränken, diese Weine im Internet „auszugoogeln“ und bei der billigsten Quelle zu kaufen.

Aber so einfach funktioniert die Sache mit dem Wein nicht, und deshalb bitte ich alle Interessenten herzlich: Rufen Sie an, vertrauen Sie meinem Urteil. Das Risiko liegt nicht auf Ihrer, sondern auf meiner Seite: Wenn ich Sie falsch berate, verliere ich Sie als Kunden.

Service und Beratung sind kein Freibrief für überzogene Preisgestaltung. Aber ich bekenne mich dazu, dass ich faire Preise für eine Grundvoraussetzung im Weinhandel halte: Fair für den Erzeuger, fair für den Händler und fair für den Käufer, der sicher sein muss, dass er für jeden Euro und jeden Cent einen reellen Gegenwert erhält. Ich kenne viele Weine für fünf Euro und darunter, die ich in diesem Sinne als viel zu teuer bezeichnen muss und andere um die 20 Euro oder darüber, die ich als außerordentlich preisgünstig ansehe.

Guter Rat in diesem Sinne ist eben nicht teuer, sondern das genaue Gegenteil.

Sie finden in meinem Programm ausschließlich Weine von Erzeugern, die allen Ehrgeiz daransetzen, die besten Qualitäten zu erzeugen, die in ihrer Region überhaupt möglich sind. Sie alle beherrschen ihr Handwerk im Weinbau, der in den achtziger und neunziger Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hat. Überall. Die Herausforderung durch die Weinbauländer der Neuen Welt waren – und sind - allerdings auch so massiv, dass die etablierten Weinbauregionen und die dort ansässigen Erzeuger gar nicht anders konnten, als größte Anstrengungen zu unternehmen, um im Qualitätswettlauf mitzuhalten.

Das bedeutet in Piemont anderes als im Friaul, in Sizilien anderes als in der Toskana. Typisch für die Erzeuger, mit denen ich zum Teil seit Jahrzehnten zusammenarbeite, ist die genaue Beachtung der regionalen Traditionen. Sie kennen sie – aber wenn damit überholte Methoden gemeint sind, sind sie nicht zimperlich und verwerfen sie. Es gibt kein Argument für schlechte Drainage im Weinberg, mangelhafte Kellerhygiene und unsaubere Eichenfässer! Viel häufiger allerdings ist der Fall, dass neue Methoden der Weinbergspflege und der Kellertechnik die typischen Eigenarten der Region besser zur Ausprägung bringen.

Paradebeispiel für diese Herangehensweise ist schon seit langem das kleine Anbaugebiet Carmignano im Norden von Florenz, wo weitsichtige Winzer auf virtuose Weise französische Anregungen auf einheimischen Rebflächen zu einem unverwechselbar toskanischen Produkt veredelt haben. Für die Maremma, wo die Region des Morellino di Scansano gewaltig aufgewertet wurde, gilt in jüngerer Zeit ähnliches. Und auch die guten Erzeuger in den mondänen Gebieten Chianti Classico, Vino Nobile und Montalcino machen immer mehr „moderne“ Weine, die aber dennoch unverkennbar die Typizität ihrer Lage, ihrer Gemeinde, ihrer Rebsorten behalten haben – und häufig viel besser hervorbringen als früher.

Den gleichen Sog hin zu mehr Typizität sehen wir im Piemont. In Südtirol gar haben wir rund um den Kalterer See – einst für Weinkenner eine furchterregende Lagenbezeichnung – eine der beeindruckendsten Qualitätsoffensiven der jüngeren Weinbaugeschichte erlebt.

Das macht es mir leichter, meiner selbst definierten Aufgabe nachzugehen: Ich kaufe nicht bei Großhändlern ein, sondern importiere ausschließlich direkt vom Erzeuger – und ich mag nur die Weine verkaufen, die ich selbst für gut halte. Keiner von ihnen – Stichwort Individualität – gleicht dem anderen. Schon im Chianti Classico sind Struktur und Aromatik der Weine unterschiedlich. Das ist kein Zufall, sondern Absicht. Erst recht dürfen Sie nicht erwarten, dass einer der von mir angebotenen „Supertuscans“ auf der Basis von Cabernet Sauvignon so schmeckt wie ein Bordeaux – und ein Merlot von den Colli Euganei kommt anders daher als ein Wein der gleichen Rebsorte aus Australien, Kalifornien oder Chile.

Die Größe der Erzeugerbetriebe spielt bei meiner Auswahl keine Rolle. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Erzeuger, die auf die beschriebene Weise arbeiten, selten mehr als 50 Hektar unter Reben haben. Ihre interessantesten Weine stehen niemals in Mengen zur Verfügung, die für Großabnehmer wie die bekannten Discounter, die mittlerweile für fast 50 Prozent des Weinhandels verantwortlich sind, interessant wären.

Das finde ich begrüßenswert: Verwechslungsgefahr ist in jeder Hinsicht ausgeschlossen.

Die Tendenz im internationalen Geschäft mit dem Wein geht dahin, ihn als eine Industrie zu etablieren und immer weiter zu rationalisieren. Damit kann ich mich nicht anfreunden. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass es auch das andere geben muss: modernen Weinbau, der sich zu seinen handwerklichen Wurzeln bekennt und auf Marketing weitgehend verzichtet. Dazu passen Weinhändler, die nicht den Ehrgeiz haben, möglichst schnell viele Paletten „durchzuschieben“, sondern es als ihre Pflicht ansehen, jeden einzelnen Kunden individuell zu beraten. Dazu gehört auch, dass sie in der Lage sein müssen, nicht nur die aktuellen Abfüllungen anzubieten, sondern auch reife Weine aus großen älteren Jahren vorzuhalten.

Einige der besten Weine in meinem Sortiment stammen aus Betrieben mit sehr geringer Produktion. Es ist deshalb kein Wunder, dass Sie sie an anderer Stelle nicht finden können. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, verlassen Sie ruhig einmal die gewohnten Pfade. Sie werden durch neue sensorische Erlebnisse reich belohnt werden.