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Toscana

Nach einer langen Zeit träger, sich selbst genügender Produktion von Unmengen Chianti in den charakteristischen Korbflaschen wurde die Toskana zum Land der Neuerungen im italienischen Weinbau. Der Schwerpunkt liegt in den Hügeln um Florenz und Siena, in Weinbergen, die sich abwechseln mit Olivenhainen, weitläufigen Gebüschen und Wäldern. Auf den Höhen liegen Burgen und Villen und insgesamt scheinen Menschen und Natur in einer idealen Landschaft in Harmonie miteinander zu leben.

Doch von Idylle kann im modernen Weinbau keine Rede sein. Die patriarchalische Weinindustrie war in den 70er Jahren schrecklich unmodern geworden. Doch der Startschuss zur Renaissance der toskanischen Weine erfolgte ebenfalls zu diesem Zeitpunkt.

Geld und Energie kamen vielfach von außen, von reich gewordenen Familien aus den großen Metropolen Europas. Dieses „neue“ Geld verbündete sich mit einer neuen Generation von Winzern und Önologen, die in Venetien, in Piemont – wenn nicht gleich in Frankreich und Kalifornien ausgebildet worden waren.

Das alte Brauchtum hatte gegen die neuen Trends keine Chance, und es ist zweifelhaft, ob wir das bedauern sollten. Die Weine wurden jedenfalls besser. Überall. Der Chianti Classico, mengenmäßig der größte unter den DOC-Weinen Italiens, bildet den Kern. Sangiovese ist die Hauptrebsorte hier mit ihrem wichtigsten Klon, dem Sangioveto.

Auffälliger waren allerdings in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten die engsten Verwandten: Der Brunello di Montalcino aus dem Sangiovese-Klon Brunello erlebte einen kometenhafte Aufstieg und die Wiedergeburt des Vino Nobile di Montepulciano – überwiegend aus der Sangiovese-Variante Prugnolo Gentile – waren zu verzeichnen.

Und dann kamen Weine auf den Markt, die von den alten bekannten Schemata abwichen, als Tafelweine oder IGT wenig wert sein sollten - und dabei quasi aus dem Stand Spitzenpreise erzielten. Entweder sind sie reine Sangiovese oder aber Cuvées aus einheimischen und französischen Sorten. Immer aber sind sie „supertuscan“.

An solchen neuen Weintypen hängt auch der große Erfolg von Regionen, die noch vor wenigen Jahren fast unbekannt waren: Das kleine Gebiet Carmignano nördlich von Florenz eroberte mit französischen Sorten die Herzen vieler Weintrinker, Bolgheri an der tyrrhenischen Küste wurde prominent durch Sassicaia und Ornellaia, und Morellino di Scansano, etwas weiter südlich in den Maremmen gelegen, wurde zu einem Gebiet, wo sich viele große Weinproduzenten aus anderen Regionen Italiens einkauften.

Der Grund ist klar: Hier lassen sich genau die modernen Weine erzeugen, die der Weltmarkt in steigender Menge haben will.

Um die Weinqualität in der Toskana muss niemandem bange sein – sie wird bei seit nunmehr einigen Jahren stabilen Preisen von Jahr zu Jahr besser.