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Monte Vertine

Es war einmal ein großes Weltreich des Weines. Es wurde regiert von mächtigen Geschmacksrichtern, die sich für unfehlbar hielten. Überall entwickelte sich der Wein so, wie es ihrem Gusto entsprach. Cabernet und Merlot verdrängten regionale Rebsorten, und überall dort, wo es richtig heiß wurde, kamen auch Syrah und Malbec dazu. Überall wurden daraus dieselben Weine gemacht: Dunkel, fleischig, alkohol- und körperreich. Weintrinker stöhnten: Ja, das schmeckt, meistens jedenfalls, aber gibt es denn keine Abwechslung mehr?

Doch, die gibt es. Die Macht der Geschmacksrichter hat Grenzen. Da gibt es doch jenes kleine Fleckchen und seine störrischen Besitzer im Süden des Chianti Classico, das sperrt sich gegen die Welt-Weinmode, einen scheinbar übermächtigen Gegner. Nicht mehr als zehn Hektar Weinberge können sie ins Gefecht führen. Ein aussichtsloser Kampf. Oder etwa nicht?

Beenden wir unseren kleinen Ausflug in die Welt von Asterix. Aber es hatte schon etwas von der Sturheit der Bewohner „jenes kleinen gallischen Dorfes“, mit der Sergio Manetti in den 60er Jahren aufbrach, das Hohe Lied des Sangiovese zu singen, und sonst gar nichts. Er war Stahlunternehmer im kleinen Landstädtchen Poggibonsi, und seine kleine Fattoria Monte Vertine in der Nähe von Radda in Chianti war wenig mehr als ein großes Wochenendhaus.

Aber Manetti war stolz auf die Weinstöcke, die hier wuchsen, und deshalb konnte er sich mit der damaligen Weingesetzgebung in Italien überhaupt nicht anfreunden. Mit Malvasia und Trebbiano, zwei ertragreichen Weißweinsorten, den guten Rotwein verwässern, nur damit das Ergebnis Chianti Classico genannt werden durfte? Nicht mit Sergio Manetti. Dem Sangiovese gehörte seine Liebe, und ihn zog er mit aller Sorgfalt heran.

Er hatte keine Eile, schließlich musste er vom Weinbau nicht leben. Er experimentierte herum mit unterschiedlichen Pflanztechniken im Weinberg und unterschiedlicher Behandlung des Mostes im Keller. Irgendwann fand er sein „Baby“ vorzeigbar. Der erste Jahrgang 1976 wurde zur Sensation. „Le Pergole Torte“ wurde seinem Erzeuger aus den Händen gerissen. Ein 100-Prozent-Sangiovese, dicht, elegant und komplex wie ein Bordeaux und dennoch zu 100 Prozent die Toskana verkörpernd – das hatte die Weinwelt noch nicht gesehen.

Manetti hatte bald den nächsten Gegner. In den 80er Jahren pflanzten immer mehr Nachbarn Cabernet und Merlot an, um daraus einen neuen Typ von toskanischem Wein zu erzeugen.

Soweit wollte Manetti seine Liebe zu gallischen Vorbildern aber nicht treiben. Der streitbare Individualist ärgerte sich nicht darüber, dass etliche dieser Cuvées respektabel ausfielen – ihm missfiel nur, dass viele dieser Weine so schmeckten wie die aus anderen Ländern. Das war nicht zu ändern, aber er blieb bei seinem Konzept.

Seine Unbeirrbarkeit zahlte sich aus. Als die Gesetzgebung für den Chianti vernünftiger wurde, schloss Manetti sogar seinen Frieden mit der DOC und erzeugte hervorragenden Chianti Classico. Seit 2000 ist der kluge, unbeirrbare Sergio Manetti nicht mehr am Leben, aber der ungewöhnliche Betrieb wird in seinem Geiste weitergeführt von seinem Schwiegersohn Klaus Reimitz aus Deutschland.

Sie wissen, dass Le Pergole Torte keine Schule machen kann, zu sehr ist dieser Wein abhängig vom Terroir des Monte Vertine. Aber sie setzen darauf, dass es genug anspruchsvolle Feinschmecker gibt, die sich für ungewöhnliche Weine begeistern können. Die Zuversicht ist gut begründet: weil die Weine von Monte Vertine klassisch-gut sind und sich auf höchstem Niveau exzellent behaupten.